Bibeltreu

Ein steigerbares Adjektiv.

Kürzlich hörte ich die anscheinend skandalöse Predigt von Leo Bigger, ICF Zürich Pastor und Leiter, zum Thema „Hat Jesus ein Problem mit LGBTQIA+“. Seine persönliche Meinung und die des ICF‘s teile ich nicht, jedoch war es nicht einmal das, was mich am meisten gestört hat an dieser Predigt.

Das, was mich gestört hat und mich immer noch triggert und das nicht nur aus dem Mund von Leo Bigger, sondern von vielen evangelikalen Vertreter:innen, ist immer wieder dieses eine Wort „bibeltreu“. Er erwähnte in seiner Predigt, dass es auf der einen Seite „Liberale“ gibt und auf der anderen Seite „Bibeltreue“. Offensichtlich sind sich diese Leute sicher, dass sie die Bibel richtig verstehen und liberale Theologen und Theologinnen diese Fähigkeit nicht besitzen.

Bibeltreu ist ein Adjektiv, das gesteigert werden kann. “bibeltreu – bibeltreuer – am bibeltreusten”. Und schon ist der Wettkampf eröffnet. Ich wage einmal zu behaupten, dass Theologinnen und Theologen eine gewisse Liebe zur Bibel haben und nach bestem Wissen und Gewissen diese auslegen.

Wer Andersdenkende diskreditiert, verhält sich nicht diskursfähig und ist nicht an einer gemeinsamen Zukunft und Lösung interessiert. Man könnte vielleicht auch etwas voneinander lernen.

In der Geschichte hat es schon immer theologische Aufbrüche gegeben, der durch Andersdenkende in die Wege geleitet wurde. Auf Luthers reformatorischer Grundlage wurde Jahre später die evangelikale Dogmatik erst möglich. Zu denken, diese sei nun die einzige Richtige, erscheint mir etwas kurzsichtig.

Theologie hat sich schon immer entwickelt und wird es auch in Zukunft tun. Wir leben in einer sich rasant verändernden Gesellschaft und Zeit. Da entwickelt sich die Theologie hoffentlich auch mit. Was Theologinnen und Theologen der progressiven Fraktion wollen, ist, den Glauben in unserer Gesellschaft und Zeit sprachfähig zu machen.

Ich plädiere für einen fruchtbaren und respektvollen Diskurs verschiedener Fraktionen, um gemeinsam den Glauben in die Zukunft zu tragen und Menschen mit Jesus, auf verschiedenste Weisen, bekannt zu machen.

Ich wünsche mir, dass wir aufhören die Schützengräben auszuheben und Argumente gegen die anderen zu sammeln, sondern lernen, einander einzugestehen, dass wir alle aufrichtig Gott-Suchende sind. Vielleicht hilft der vergangene Post zum Thema „Wahrheit – Ambiguitätstoleranz (das Aushalten der Mehrdeutigkeit)“ weiter.

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