Theologie vs. Spiritualität

Immer wieder führe ich Diskussionen mit Christen, die andersdenkend sind, jedoch auch aufrichtig Gott-suchend. Auffällig ist, dass viele den Unterschied zwischen Theologie und Spiritualität nicht kennen, sondern es als Synonym betrachten. Meiner Meinung nach hilft es in Diskussionen, wenn zwischen den beiden Begriffen unterschieden wird.

Theologie: Theologie bedeutet wörtlich übersetzt: Wissenschaft von Gott. Es geht darum auf einer kognitiven Ebene Gott zu beschreiben und gibt Anleitung (Dogmatik, Ethik, Moral) für ein ihm wohlgefälliges Leben.*

Spiritualität: Unter Spiritualität versteht man spezifische Formen von Spiritualität im Kontext praktizierten Christseins. Im Mittelpunkt steht eine erfahrene oder angestrebte persönliche Beziehung des christlichen Gläubigen zu Gott bzw. zu Jesus Christus.

Ich bin der Überzeugung, dass jeder Christ:in die Bibel lesen und auch verstehen kann. Der Heilige Geist hilft bei dem Verstehen des Gelesenen und in der Übertragung in das Leben hinein. Heisst, er hilft aus der Theorie eine praktikable Praxis zu entwickeln. Er ist ein Übersetzer aus der Theorie in die Praxis. Dies alles ist jedoch Spiritualität, da es das Individuum betrifft. Es hat in dem Falle nur eine Bedeutung für das Individuum und nicht für die Allgemeinheit. Es gibt Dinge, die sagt Gott nur einer Person und betrifft nicht gleich auch alle anderen Personen. Die Gefahr besteht darin, dass viele Menschen aus ihrer Spiritualität eine Theologie formen, mit der Überzeugung, dass diese für alle Menschen Gültigkeit habe.

Theologie wird jedoch nicht aus der Spiritualität heraus betrieben. Theologie beschreibt die Gefühle und Emotionen, die durch eine Gottesbegegnung entstehen können, geschieht aber nicht aus ihnen heraus. Theologie versucht wissenschaftlich vorzugehen und alle Fakten einzubeziehen. Dogmatik (Glaubenslehren) entstehen nicht aus dem Affekt, sondern werden kritisch hinterfragt, von mehreren Instanzen überprüft. Theologie ist nicht abhängig von Aktualitäten, sondern ist ihnen übergeordnet.

ACHTUNG: Was ich auch einmal loswerden will. Nicht jede:r Christ:in ist auch Theolog:in, nur weil man selber die Bibel liest und in einen Bibelkreis geht, wo man über biblische Lebensthemen diskutiert! Das ist aber auch nicht schlimm. Wer einmal einer anderen Person eine Wunde desinfiziert hat und ein Pflaster drauf machte, ist auch nicht gleich Arzt/Ärztin. Es kann zwar erste Hilfe geleistet werden ohne Medizinstudium, jedoch die Komplexität der Thematik eines Körpers kann nicht verstanden werden. Genauso ist es auch in der Theologie. Jeder hat seine Spiritualität, die für einen auch stimmt und passt. Jedoch darf aus der Spiritualität nie eine Dogmatik gemacht werden. Dann würde man Spiritualität mit Theologie verwechseln.

Theologie birgt in sich komplexe Thematiken und Systeme, die nicht einfach zu beantworten sind. Mein Plädoyer ist deshalb, (1) dass wir nicht von Wahrheit (objektiv), sondern Glaubensüberzeugungen (subjektiv) sprechen; und (2) dass wir von unserer Spiritualität und Gotteserlebnissen berichten und keine Theologie (-> Dogmatik) daraus machen.


* Natürlich hat die Theologie auch noch andere Disziplinen, sind jedoch für diesen Post nicht relevant.

KOMMENTAR VERFASSEN

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .